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28.03.2019

Leben mit Prostatakrebs

Günter Bauer lebt seit 13 Jahren mit Prostatakrebs. Dank neuester Medikamente kann er sich einer hohen Lebensqualität erfreuen.

Lächelnd kommt Günter Bauer ins Café, die Haut ist leicht gebräunt, die silbergrauen Haare fallen locker in die Stirn, über dem blau-weißen Karohemd trägt er einen dunklen Blouson. Vor wenigen Tagen ist er aus dem Urlaub in Portugal zurückgekommen, erholt und entspannt trinkt er seinen Cappuccino. Wer ihn so sieht, ahnt nicht, dass der 75-Jährige seit mehr als 13 Jahren mit einer schweren Krankheit lebt.

Günter Bauer
 

 Im Sommer 2004 wurde bei ihm erstmals Prostatakrebs festgestellt. „Die Diagnose war ein Schock, ich hatte vorher keine Symptome, keine Schmerzen, keine Probleme beim Wasserlassen“, erinnert sich Günter Bauer, der damals gerade in Pension gegangen war. „In den ersten Tagen danach stand ich völlig neben mir. Ich dachte nur: Das bin ich nicht, das passiert gerade jemand anderem.“

Ich genieße heute die kleinen Dinge des Lebens

Er war auf eigene Initiative zum Arzt gegangen, um seinen PSA-Wert messen zu lassen – und dieser Hinweiswert auf ein Prostatakarzinom war so stark erhöht, dass sein Urologe gleich weitere Untersuchungen veranlasste. Schnell stand fest: Der Tumor hatte sich bereits über die Prostata ausgedehnt und war in angrenzendes Gewebe vorgedrungen, eine Operation mit Entfernung der Prostata war unvermeidlich.

PSA-Wert in neuem Licht

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweißstoff, der nur im Prostatagewebe vorkommt und nur in ganz geringen Mengen im Blut nachweisbar ist. Der PSA-Test erfolgt durch eine Blutabnahme. Dabei wird der PSA-Wert im Blut gemessen und mit dem altersspezifischen Wert verglichen. Ein erhöhter PSA-Wert kann
ein frühzeitiger Hinweis auf ein Prostatakarzinom sein, muss es aber nicht.

In den vergangenen Jahren kam es immer
wieder zu Diskussionen über den Aussagewert
und den Nutzen der PSA-Messung,
ob durch die PSA-Messung Todesfälle
verhindert werden. Dies führte zu Verunsicherung
bei den Männern und einer verminderten
Akzeptanz des PSA-Screenings
– und in der Folge möglicherwiese auch zu
der hohen Zahl von fortgeschrittenen Prostatatumoren.
Neue Untersuchungen und
die Neubewertung älterer Studien belegen
jetzt den Überlebensvorteil durch das
PSA-Screening. Noch gibt es zwar keine
allgemeine Screening-Empfehlung durch
die Deutsche Gesellschaft für Urologie,
aber einige Krankenkassen wie die AOK
Baden-Württemberg sind inzwischen dazu
übergegangen, die Kosten für den PSATest
für ihre Versicherten zu übernehmen.
Die medizinische S3-Leitlinie zur Früherkennung,
Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms
empfiehlt, dass Männer ab
einem Alter von 45 Jahren prinzipiell über
die Möglichkeit des PSA-Tests informiert
werden sollen.

Diskussion um PSA-Wert

„Leider sehen wir in den letzten Jahren immer mehr Patienten wie Herrn Bauer, die bereits mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom zu uns in die Klinik kommen“, beschreibt Privatdozent Dr. Bernd Straub, Chefarzt der Urologie und Leiter des Prostatazentrums im Caritas-Krankenhaus, die Situation. „Sie befinden sich dann oft in einem Stadium, in dem eine Heilung kaum mehr möglich ist.“ Einen Zusammenhang sieht der erfahrene Facharzt für Urologie mit der kontroversen Diskussion um den PSA-Wert. Die Abkürzung PSA steht für „prostataspezifisches Antigen“; ein erhöhter PSA-Wert kann ein frühzeitiger Hinweis auf ein Prostatakarzinom sein. In der Vergangenheit wurde die Aussagekraft des PSA-Wertes allerdings immer wieder infrage gestellt. „Neuere Studien und Auswertungen haben gezeigt, dass die regelmäßige PSA-Messung durchaus das Mortalitätsrisiko für Prostatakrebs senken kann. Erst vor Kurzem hat auch das Deutsche Ärzteblatt darauf hingewiesen, dass die regelmäßige PSA-Kontrolle sinnvoll ist, um ein Prostatakarzinom frühzeitig zu erkennen“, so Privatdozent Dr. Straub. „Ich hoffe, dass sich die Einstellung vieler Männer zum PSA-Test jetzt ändert und mehr Männer diese Möglichkeit zur Früherkennung nutzen.“

Für Günter Bauer ist die PSA-Messung lebensrettend, er erholt sich nach der Operation schnell, hat keine Probleme beim Wasserlassen und fast sechs Jahre lang geht es ihm relativ gut. Allerdings braucht er auch nach der Operation unterstützend antiandrogene und antihormonelle Medikamente, um eine erneute Ausbreitung des Tumors möglichst zu verhindern und zu verzögern. Diese zeigen zunächst auch Wirkung. Doch im August 2010 kehrt der Krebs zurück und zugleich treten Metastasen in den Lymphknoten auf. Bei einer laparoskopischen „Schlüsselloch“-Operation werden die betroffenen Lymphknoten entfernt, als ergänzende Therapie erhält Günter Bauer eine erste Chemotherapie. Weil der PSA-Wert wieder ansteigt, folgt ein Jahr später eine weitere Chemotherapie, auf die er gut anspricht.

Trotz Metastasen kann Günter Bauer seinen Alltag heute wieder genießen. Medikamente der neuesten Generation machen das möglich.
Trotz Metastasen kann Günter Bauer seinen Alltag heute wieder genießen. Medikamente der neuesten Generation machen das möglich.

Persönliche Betreuung

Für diese Chemotherapie wechselt er auf Empfehlung und aufgrund der Nähe zu seinem Wohnort Adelsheim ins Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, wo er nun seit mittlerweile sechs Jahren vom Team des Prostatazentrums betreut wird. „Die Umgebung bei der Chemotherapie hier im Caritas war sehr angenehm und ich fühle mich einfach wohl. Hier bin ich keine anonyme Nummer wie in einer Uniklinik, wo ich nur nach Aktenlage behandelt werde und jedes Mal ein anderer Arzt vor mir sitzt“, begründet Günter Bauer den Wechsel. „Hier sehe ich immer dieselben Gesichter, die Ärzte, die Sekretärin in der Ambulanz und das Pflegepersonal kennen mich schon und begrüßen mich mit meinem Namen. Das ist mir – neben der guten Behandlung – wichtig.“

„Im Prostatazentrum am Caritas-Krankenhaus sind wir ein engagiertes Team, das sich mit hohem persönlichem Einsatz um die Patienten kümmert“, bestätigt Chefarzt Privatdozent Dr. Straub. „Wir können dabei auch auf die etablierten Strukturen des Onkologischen Zentrums (OZT) im Haus zurückgreifen. Dazu gehören etwa die wöchentlichen Tumorkonferenzen, bei denen wir die Befunde der einzelnen Patienten mit verschiedenen
Fachärzten wie Radiologen, Onkologen, Pathologen oder Strahlenmedizinern besprechen. Aber auch gezielte Fortbildungen für das Personal, Qualitätszirkel und zum Beispiel die Betreuung der Patienten durch Psychologen und den Sozialdienst wird darüber organisiert.“

Ein erhöhter PSA-Wert kann ein frühzeitiger Hinweis auf ein Prostatakarzinom sein,
sagt Privatdozent Dr. Bernd Straub, Chefarzt der Urologie.
Ein erhöhter PSA-Wert kann ein frühzeitiger Hinweis auf ein Prostatakarzinom sein,
sagt Privatdozent Dr. Bernd Straub, Chefarzt der Urologie.

Modernste Therapien

Auch Günter Bauer profitiert von den hohen Qualitätsstandards des von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Prostatazentrums und von der Anwendung neuester Behandlungsmethoden. „Seit mehr als sieben Jahren sind bei Herrn Bauer Metastasen bekannt, aber wir konnten ihm immer wieder die Medikamente der neuesten Generation zur Verfügung stellen, zuletzt etwa das Medikament Xtandi, das nachweislich das Tumorwachstum hemmt. Dadurch ist er so gut eingestellt, dass er eine hohe Lebensqualität trotz der Erkrankung
hat“, betont Privatdozent Dr. Straub.

Dazu trägt sicher auch die positive Lebenseinstellung von Günter Bauer bei. „Ich führe mein Leben wie bisher
auch, gehe gerne ins Theater oder in die Oper und besuche meine Bekannten in Thüringen, wo ich in den 1990er-Jahren beim Verwaltungsaufbau tätig war. Außerdem bin ich seit gut zehn Jahren mit großer Freude und Engagement als Vorstand des Fränkischen Madrigalchors Adelsheim aktiv.“ Hier, in der 5.000-Einwohner-
Gemeinde im Neckar-Odenwald- Kreis, war er in den 1970er-Jahren einmal Bürgermeister und hier verbringt
der 75-Jährige jetzt wieder seinen ausgefüllten Ruhestand. „Mir geht es gut, ich bin im Alltag nicht eingeschränkt und ich genieße heute die kleinen Dinge des Lebens, die ich früher übergangen habe, sehr bewusst.“ Und er beherzigt eine Regel aus seiner Zeit als Amateurboxer in jungen Jahren in Pforzheim: „Ich gehe immer positiv in den Kampf; denn wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

 
 
 

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