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27.04.2020

Für den Traumberuf von Italien nach Bad Mergentheim

Erika Gazzera ist für ihren Traumjob von Italien nach Deutschland gekommen. Sie und zwei weitere junge Italienerinnen arbeiten seit mehreren Monaten als Hebammen im Kreißsaal des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim.

(v. li.) Elena Tordella, Erika Gazzera und Vanja Cvijanovic sind für ihren Traumberuf nach Deutschland gekommen und fühlen sich hier wohl.
(v. li.) Elena Tordella, Erika Gazzera und Vanja Cvijanovic sind für ihren Traumberuf nach Deutschland gekommen und fühlen sich hier wohl.
Fotos und Video wurden vor der Corona-Pandemie aufgenommen.

Mehr als 800 Kilometer sind es von Cuneo, einem beschaulichen 50.000-Einwohner-Städtchen in Piemont am Fuße der Meeralpen, nach Tauberfranken; eine weite Reise, wenn Erika Gazzera ihre Familie besuchen will. Seit einigen Monaten ist Bad Mergentheim die neue Heimat der 23-Jährigen. „Ich wollte nach meinem Studium unbedingt in meinem Beruf als Hebamme arbeiten. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich hier eine Stelle gefunden habe“, erzählt sie mit Begeisterung. Erika Gazzera ist eine von drei italienischen Hebammen, die seit vergangenem Jahr in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim arbeiten. 

„Schon während des Studiums habe ich mir überlegt, nach Deutschland zu gehen“, erzählt Erika Gazzera, die bis 2018 in Turin studierte. Denn sie wollte unbedingt Arbeitserfahrung im Ausland sammeln; außerdem ist es schwierig, in Italien eine Anstellung als Hebamme zu finden. Dass die Wahl dann auf Deutschland fiel, hat mit einer Freundin zu tun. Diese habe sie auf die Idee gebracht, und Kommilitoninnen aus früheren Jahrgängen würden bereits hier arbeiten, berichtet sie.

 

1.100 Kinder jährlich

Von den Stellenangeboten, die die Agentur in Italien anbot, entschied sich Erika Gazzera für die des Caritas-Krankenhauses. „Die Geburtsklinik ist ziemlich groß, und ich kann hier viel lernen“, erzählt sie. In den Kreißsälen des Caritas-Krankenhauses erblicken mehr als 1.100 Kinder jährlich das Licht der Welt. Zum Team gehören 12 Hebammen, die in Voll- oder Teilzeit arbeiten. „Was unsere Geburtsarbeit auszeichnet, ist die enge Zusammenarbeit mit der Kinderklinik gleich nebenan. Dadurch ist es uns möglich, auch Risikoschwangerschaften zu betreuen“, sagt die erfahrene Oberärztin Sylvia Schößler, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Zu Risikofaktoren zählen Frühgeburten, Zwillingsschwangerschaften oder Bluthochdruck bei Schwangeren. Die Geburtsstation kann Frauen ab der 32. Schwangerschaftswoche zur Geburt aufnehmen.

Im Januar 2019 hatte Erika Gazzera ihr Vorstellungsgespräch, im Sommer begann die Arbeit. In der Zwischenzeit machte sie einen Deutschkurs in Italien. „Ich habe schon in der Schule Deutsch gelernt, aber das war vor mehreren Jahren“, erzählt sie. Doch trotz der Vorkenntnisse braucht das Erlernen der fremden Sprache Zeit – Gazzera und die beiden anderen Hebammen aus Italien arbeiteten daher die ersten Monate in Teilzeit und belegten nebenbei einen Sprachkurs. „Seit ich jeden Tag spreche, geht es gut mit dem Deutsch“, sagt die junge Italienerin mit einem Lachen.

Kursangebote für junge Eltern

  • Säuglingspflege für werdende Eltern
  • Schwangerschaftsmassage
  • Rückbildungsgymnastik
  • Still-Café
  • Babymassage
  • Babyturnen und Entwicklungsbegleitung im ersten Jahr
  • Erste Hilfe für Babys und Kleinkinder

Corona & Organisation im Kreißsaal:

Bis auf Weiteres finden keine Kurse der Elternschule und kein Info-Abend für werdende Eltern statt. Für Schwangere ist unter Tel.: 07931 58-2549 eine Info-Hotline Dienstags, Mittwochs und Donnerstags von 13 bis 14.30 Uhr für geburtshilfliche Fragen erreichbar. 

 

Schwangere sollen sich wohlfühlen

Auf der Station arbeitet Erika Gazzera immer mit einer erfahrenen Hebamme zusammen, von der sie viel lernen kann. Die Arbeit sei sehr abwechslungsreich, erzählt die junge Hebamme. Bevor es in den Kreißsaal geht, helfen sie Schwangeren sich zu entspannen. „Wir nutzen Aromatherapie und Massage oder lassen ein warmes Bad ein“, so Gazzera weiter. Ernst wird es dann im Kreißsaal. „Dort betreuen wir Frauen während der Geburt“, sagt sie. Außerdem kümmern sie sich um die werdenden Mütter, die ambulant kommen – beispielsweise zu einer Untersuchung.

„Unser Anspruch ist, eine individuelle Geburtshilfe anzubieten, auf die Bedürfnisse jeder Frau, jedes Paares einzugehen unter Berücksichtigung der medizinischen Gegebenheiten“, erklärt Sylvia Schößler. Und die leitende Hebamme Peggy Bürkle ergänzt: „Uns ist besonders wichtig, dass sich die Frauen und Paare hier wohlfühlen und jederzeit einen Ansprechpartner haben.“ So arbeiten auf der Geburtsstation jeweils zwei Hebammen zusammen.

Ohne Worte kommunizieren

„Der Zusammenhalt im Team ist super. Wir können offen miteinander sprechen mit den anderen Hebammen und den Ärzten“, schildert Erika Gazzera ihre Eindrücke. Doch manchmal kommt es auf Sprachkenntnisse gar nicht so sehr an, Kommunikation geht im Kreißsaal auch ohne Worte. „Wir müssen uns nonverbal verstehen. Das heißt im Klartext: Ich zwinkere der Hebamme zu, schaue sie an oder zeige auf etwas und die Hebamme weiß Bescheid“, sagt Oberärztin Schößler. Gerade in kritischen Situationen müssten sie sich aufeinander verlassen können.

Der schönste Moment ist, wenn das Baby endlich da ist.

Mittlerweile arbeiten die jungen Italienerinnen Vollzeit als Hebammen – die Anerkennung ihrer Abschlüsse dauerte mehrere Monate, solange haben sie als Hebammen-Assistentinnen gearbeitet. Peggy Bürkle ist mehr als zufrieden: „Wir sind sehr froh, dass sie zu unserem Team gehören. Sie bringen reichlich positive Energie, viel Freude an der Arbeit und Elan mit.“

Auch Erika Gazzera ist glücklich, dass sie den Schritt nach Deutschland gewagt hat: „Die Arbeit gefällt mir sehr gut.“ Sie sei Hebamme geworden, weil sie Frauen bei der Geburt betreuen möchte und die Aufgabe als sehr erfüllend empfindet. „Der schönste Moment ist, wenn das Baby endlich da ist. Es liegt auf dem Bauch der Mama, die Eltern umarmen das Kind, lächeln oder weinen. Das ist einfach wunderbar.“

Text: Joris Hielscher/ Foto: André Loessel.

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